Das Siebte Kreuz von Anna Seghers
Das Siebte Kreuz
Die Flüchtlinge werden nicht ausführlich charakterisiert. Ihr Schicksal dient als Kulisee für Georg Heislers Flucht. Die Flüchtlinge sollen Beispielhaft einen soziologischen Querschnitt durch die deutsche Gesellschaft während des Nationalismus representieren. Bedroht werden von diesem Terrorregime potentiell alle Menschen in Deutschland ohne Unterschied. Sie müssen nur aus irgendeinem politischen, rassischen, religiösen oder persönlichen Grund der NS-Macht verdächtig gemacht werden, dann ist ihr Leben in Gefahr.
Beutler
Beutler ist ein jüdischer Lebensmittelverkäufer. Er ist derjenige der auch als erster geschnappt wird. Für die SA-Mannschaft bietet er die ideale Angriffsfläche, da er schwach und hilfslos ist.
" Dass soll die Einlieferung vorstellen? Gratuliere. Da könnt ihr schleunigst ein paar Spezialärzte herbeitrommeln, dass sie dem Mann da seine paar Nieren und Hoden und Ohren zusammenflicken, damit er uns noch mal vernehmungsfähig wird! Schlau, schlau, gratuliere." ( s. 36)
Belloni
heisst richtig Anton Meier. Belloni ist nur sein Artistenname. Von den SA-Truppen gestellt wählt er den Freitod und entzieht sich durch einen Sprung in die Tiefe der Verhaftung.
Aldinger
Aldinger war vor seiner Verhaftung Bürgermeister. Durch Intrigen des jetzigen Bürgermeisters Wurz wurde er ins KZ geschickt. Er handelt oft instinktiv und kennt keine Angst. Schliesslich stirbt er an seiner Übermüdung.
" Aldinger war jetzt oben angelangt...Immerhin, man sah das Dorf unter sich liegen...eine kühle, gestrengte Helligkeit lag auf dem Dorf, Glanz und Wind in einem, dass es auf einmal so deutlich wie nie war und eben dadurch wieder entfremdet. Dann fiel ein tiefer Schaffen über das Land...Gros und Klein stand in dem Gebüsch und betrachtete sich den Toten. Schliesslich machten die zwei eine Bahre aus ein paar Stecken. Sie trugen ihn ins Dorf hinein, an den Wachposten vorbei. " ( s.316ff)
Füllgrabe
Füllgrabe ist ein wohlhabender Kaufmann, welcher mit seinem Schicksal hadert. Am Ende seiner Flucht ist er mutlos und so erschöpft dass er sich freiwillig der Gestapo stellt.
Fahrenberg
Lagerkommandant von Westhofen. Er ist in seinem tiefsten Innern ein schwacher Charakter, der, um seine Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren, sadistisch und brutal die Gefangenen im, KZ misshandelt. Schliesslich wird er am 7 Tag nach der Flucht versetzt, und soll sich Gerüchten zufolge eine Kugel in den Kopf gesetzt haben.
3. Inhaltsangabe
An einem nebligen Morgen im Herbst 1937 fliehen die sieben Häftlinge Heisler, Wallau, Beutler, Pelzer, Belloni, Füllgrabe und Aldinger aus dem Konzentrationslager Westhofen. Die grossangelegte Verfolgungsjagd der SS ist schon nach kurzer Zeit erfolgreich und stellt Beutler in einem Waldstück nicht weit vom Lager entfernt. Mehr kriechend als gehend, versucht jeder Flüchtling auf eigene Faust den Verfolgern, die inzwischen von Bluthunden unterstützt werden, zu entkommen.
Georg Heisler hatte die Flucht mit Hilfe seines Freundes Wallau bis ins letzte Detail geplant. Doch bereits auf dem Weg ins nächste Dorf passiert etwas Unvorhersehbares. Georg versteckt sich vor einem Motorrad, indem er über eine mit Glasscherben gespickte Mauer springt und zieht sich dabei schwere Schnittverletzungen an der linken Hand zu. Im Dorf angekommen, wird er bereits zum zweiten Mal in die Enge getrieben. Nur die schicksalhafte Ergreifung Pelzers, der sich nicht weit von Georg in einer Hundehütte versteckt hielt, bringt die Verfolger von seiner Spur ab. Sein Ziel ist seine Freundin Leni, die in Höchst wohnt. Bei ihr will er sich verstecken, bis er die nötigen Papiere besorgen und damit ins Ausland flüchten kann. Weil er annimmt, dass die Brücken in der Nacht doppelt bewacht sind, wählt er den Mainzer Dom als Nachtquartier. Nachdem er sich am nächsten Morgen seine Hand behandeln liess, beobachtet er in einer belebten Strasse in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes die Jagd auf Belloni, der schliesslich, von einer Kugel getroffen, vom Dach eines Hauses fällt. In einem kleinen Schuppen am Rhein findet Georg seine Bleibe für die bereits hereingebrochene Nacht. Ein Liebespaar bringt Georg jedoch auch in der zweiten Nacht um seinen Schlaf. Unterdessen überwacht die Gestapo systematisch alle, die Georg bei der Flucht helfen könnten. Im KZ Westhofen wird die Lage immer unruhiger, obwohl am dritten Tag Wallau, ein weiterer Flüchtling, eingebracht wird. Fahrenberg, der Lagerkommandant, lässt an sieben der Bäume ein Querbrett nageln. Schliesslich entschliesst er sich zu einer gewissen Frau Marelli, einer Artistenkostümeschneiderin und Bekannten von Belloni, zu gehen, die ihn mit Kleidern und Geld ausstattet. Durch Zufall trifft er auf Füllgrabe, der ihm mitteilt, dass er sich stellen werde. Georg hingegen beschliesst, seinen Schulfreund Paul Röder aufzusuchen. Paul nimmt Georg bei sich auf, obwohl er damit sich, seine Frau und seine Kinder in Gefahr bringt.
Aus Angst entdeckt zu werden, bringt Paul seinen Freund Georg zu seiner Tante Katharina Grabber. Sie besitzt eine Garage, wo Georg aushilfsweise arbeiten kann, während Paul seine weitere Flucht organisiert.Auf dem Weg zu seinem Heimatdorf stirbt Aldinger an seiner Erschöpfung. Kress nimmt Georg bei sich auf, bis seine Papiere fertig sind. Kurz darauf wird Paul Röder von der Gestapo verhaftet.
Am Abend des sechsten Fluchttages bringt Doktor Kress Georg nach Kostheim, wo er ihm einen Platz auf einem Schleppkahn verschafft hat. Am nächsten Morgen ist es endlich so weit. Georg Heisler steigt am siebten Tag seiner Flucht auf das Schiff der Rettung...Bereits am nächsten Abend ist der neue Kommandant im Amt. Einem Gerücht zufolge soll sich Fahrenberg in einer billigen Absteige eine Kugel in den Kopf geschossen haben. Die sieben Kreuze werden abgeschlagen und verbrannt.
Interpretation: Der Titel
Die Zusammensetzung von Symbol, also der Zahl sieben und Metapher, in unserem Falle das Kreuz, gibt einen Hinweis auf tiefere Schichten, die für die inhaltliche Erschliessung des Romans von Bedeutung sind.Die Zahl Sieben
Die Zahl Sieben spielt in nahezu allen Weltkulturen eine bedeutende Rolle. Diese Zahl symbolisiert im Christentum, im Judentum sowie im Islam die Vollkommenheit. So ist der siebte Tag laut der Bibel dem Herrn zu weihen, da er sieben Tage benötigte um die Erde zu erschaffen. Die Josef-Geschichte in der Bibel sprach ebenfalls von sieben fetten und sieben mageren Jahren. Im Judentum finden wir den siebenarmigen Leuchter. Augustinus spricht von den sieben Todsünden und den sieben Sakramenten. Hier in diesem Roman benötigt Georg Heisler genau sieben Tage zu seiner Vollendung. Oder noch besser gesagt, bis er das Leid endgültig hinter sich zurücklassen kann. Auch Fahrenberg erfährt eine andere Art der Vollendung nach diesen sieben Tagen: Er verliert seine Position als Lagerkommandant.
In der indischen Religion sind Buddhas wichtigste Lebensstufen mit der Zahl sieben verbunden. Auf unserer Erde gibt es sieben Weltwunder, die sieben Tore Thebens. Diese kulturelle Überlegungen lassen darauf schliessen, dass die autorin die Zahl sieben absichtilich verwendet, um uns klarzumachen, dass der Georg Heisler genau sieben Tage bis zu seiner Erlösung braucht. Es werden Sieben aus dem KZ Westhofen flüchten, worauf kurze Zeit später sieben Kreuze aufgestellt werden. Dieser Roman ist klar in sieben Kapitel eingeteilt.
Somit können wir also auch klar erkennen, dass die Zahl sieben in diesem Roman stets allgegenwärtig ist.
Das Kreuz
In der Kulturgeschichte der Menschheit finden wir das Kreuz als Symbol für die Gegensätze zwischen Himmel und Erde. Auch in der Lieteratur wird dieses Symbol häufig verwendet und verkörpert das Leid und die Qual. Der Lagerkommandant Fahrenberg beabsichtigt die Zurückgebrachten zu erniedrigen, indem er sie wie Jesus Christus an das Kreuz binden lässt. So symbolisieren die ersten sechs Kreuze das Leid, währenddessen das leere siebte Kreuz die Hoffnung und die Freiheit repräsentiert. Diese symbolische Funktion wird zusätzlich verstärkt, indem Fahrenberg das Kreuz verbrennen lässt. Auf diese Weise wird es zum allgegenwärtigen und unsterblichen Hoffnungsträger für die übrigen Gefangenen.
Das lateinische Wort für Kreuz, crux, bezeichnet zunächst einen Pfahl, an dem die zum Tode verurteilten gebunden wurden.
Auch die seit dem Mittelalter gebauten Kirchen haben einen Kreuz als Grundriss, nämlich das Längsschiff und das Querschiff.
Mit der literarischen gestaltung des Kreuzes greift die Autorin auf mehrere Ebenen zurück. Zunächst sind die im KZ errichteten Kreuze Schandpfähle für die wiedereingefangenen Flüchtlinge. An den Kreuzen werden die Ausreisser gedemütigt, gepeinigt und erniedrigt. Zu dieser Zeit war auch das Hakenkreuz von wichtiger Bedeutung. Das Kreuz symbolisiert die Macht über Menschen, über ihr Leben und ihre Würde. Es ist das offensichtliche Sinnbild der Menschenverachtung.
Doch andererseits symbolisiert das Kreuz auch die Erlösung, denn auch Jesus hat sich für uns Menschen an einem Kreuz geopfert.
Die Widmung
" ist den toten und lebenden Antifaschisten Deutschlands gewidmet."
Liest man diesen Satz so kommt man schnell auf den Gedanken, dass demnach alle Personen, die die Flucht Georg Heislers unterstützen, oder die Häftlinge, die wiedereingefangen als Antifaschisten zu bezeichnen. Ein Paul Röder wäre also einem Wallau gleichzustellen. Sie alle leisten in irgendeiner Form Widerstand gegen den Faschismus. Damit würde man es sich allerdings einfach machen. Es muss deutlich differenzierter unterschieden werden. Anna Seghers war eine kommunistische Schriftstellerin, und deshalb war für sie Anfifaschismus nicht nur ein Kampf gegen die Nazidiktatur sondern notwendigerweise auch ein Kampf gegen ein kapitalistisches System. Für sie war es selbstverständlich, das die nationalsozialistische Diktatur das Kind des Kapitalismus war. Der Roman ist eine Hommage an die kommunistischen Widerstandskämpfer, wie Wallau, Heisler, Fiedler, Marnet, Hermann usw. Paul Röder, dessen Ehefrau, Elli Mettenheimer und ihr Vater haben sich aus persönlichen und religiösen Gründen für ein distanziertes Verhalten gegenüber dem Herrschaftssystem ausgesprochen, und sind deshalb bei der Flucht von Georg Heisler behilflich. Es geht um einen stillen Kampf gegen die Unfreiheit und Unterdrückung, gegen ein diktatorisches Regime. Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten und Lebensbereichen, vorwiegend aus Arbeiterkreisen, helfen Heisler. Viele von ihnen haben sich vor Hitlers Machtübernahme in kommunistischen Kreisen engagiert, aber nicht aus politischen Erwägungen, sondern einfach, weil sie selbstlos Anteil nehmen, setzten sie sich für ihn ein. Ohne viel nachzudenken, nehmen sie hohe Risiken in Kauf, ohne dabei ein grosses Ziel zu verfolgen, nicht politische Kalkulation sondern aus Zivilcourage. Die kleinen Leute, die Georg beistehen, fühlen sich nicht als Widerstandskämpfer, sie propagieren keine Ideale, sondern sie handeln aus dem Bauch heraus solidarisch. Sie helfen die Flucht zu ermöglichen, mit ihrem individuellen menschlichen Beitrag. Damit ist allerdings noch keine antifaschistische Tat im kommunistischen Sinne vollbracht, diese müsste sich gegen den kapitalistischen Staatsapparat richten und nicht individuell bleiben. Im Roman bringt nicht die individuelle Tat alleine die Rettung sondern erst die organisierte Arbeit der kommunistischen Parteigenossen die im Untergrund arbeiten und so Georg helfen das rettende Ausland zu erreichen. Das Verhalten eines Paul Röders lässt die Hoffnung aufkommen, dass er sich später einem aktiven politischen Widerstand zuwendet, diese Entwicklung, die Zukunft dieser Personen blendet Anna Seghers allerdings aus. Zurück bleibt der Eindruck, Georg Heisler, der überzeugte Kommunist, hat durch seine Flucht Menschen zu Entscheidungen beworgen die, falls sie in Zukunft gesellschaftlich und somit grossflächig und nicht mehr nur individuell getroffen würden, eine Revolution hervorbrächten. In dieser kleinen Widmung, in diesem kleinen Satz offenbart Anna Seghers ihre Hoffnung und die Hoffnung vieler kommunistischer intellektueller Exilanten, die Diktatur Hitlers möge durch den aufopferungsvollen Kampf der Antifaschisten unter Führung der KPD beseitigt werden. Dieser Utopie gilt die Widmung.
Eigene Meinung
Dieser Roman ist meiner Meinung nach sehr einfach zu lesen und in klaren Kapitell strukturiert. Durch den ständigen Szenenwechsel vermag oft nicht gleich von Anfang an erkennen auf welchem Schauspielplatz man sich gerade befindet. .Das einzige was mach ein bisschen gestört hat, waren die ausführlichen und detaillierte Beschreibungen Im Grossen und Ganzen kann ich jedoch diesen Roman nur weiterempfehlen.Netty Reiling wurde am 19. November 1900 in Mainz als Tochter des jüdischen Kunst- und Antiquitätenhändlers Isidor Reiling geboren. Ihr Vater Isidor Reiling war ein vermögender Kunsthändler und Kustos am Mainzer Dom, ihre Mutter Hedwig eine sozial engagierte Frau. Beide Eltern gehörten dem orthodoxen Judentum an. Netty alias Anna Seghers wuchs behütet auf. Nach der Grund- und Oberschule studierte sie in Köln und Heidelberg Geschichte, Kunstgeschichte, Philologie und Sinologie (1). 1924 promovierte sie an der Universität Heidelberg mit der Arbeit "Jude und Judentum im Werke Rembrandts". Ein Jahr später heiratete sie den ungarischen Soziologen László Radvány. Im Alter von knapp 28 Jahre erschien ihr erstes Buch "Aufstand der Fischer von St. Barbara" unter dem Pseudonym Anna Seghers, welches mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr trat sie der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) und 1929 dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) bei. Während der ersten Verfolgungswelle nach dem Reichtagsbrand (2) wurde sie 1933 verhaftet und eine Zeitlang überwacht. Daraufhin floh sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern über die Schweiz nach Frankreich. Doch bereits 1940, nachdem die deutschen Truppen in Frankreich einmarschiert waren, musste sie erneut fliehen. Es gelang Anna Seghers ihren Mann im Internierungslager in Vernet zu finden und nach Marseille zu kommen. Nachdem sie die nötigen Ausweispapiere beschaffen konnte, floh sie über San Domingo und Ellis Island nach Mexiko. Nach ihrer Rückkehr 1947 nach Ost-Berlin betätigte sie sich in der Weltfriedensbewegung und auf kulturpolitischem Gebiet. Für ihre schriftstellerischen Leistungen und ihr politisches Engagement erhielt sie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnugnen. Am 1. Juni 1983 starb Anna Seghers in Ostberlin im Alter von 82 Jahren.
Die Sprache
Bei der Betrachtung der sprachlichen Gestaltung des Romans fallen zunächst die symbolischen Motive auf. Beide Motive bilden das eigentliche inhaltliche und formale Strukturprinzip des Romans, sie geben im das Gerüst. Auf die Bedeutung werden wir später noch genauer eingehen. Sie benützt diese Symbole immer und immer wieder um die Geschichte fortschreiten zu lassen. Allerdings ändert sich die Bedeutung, das siebte Kreuz verliert je länger je mehr seinen Demütigungscharakter und wird zum Symbol der Hoffnung und des Vertrauens. Umgangsprachliche und mündliche Dialektformen finden sich durchgängig im Roman. Dies schafft den Effekt von Handlungsnähe, man fühlt sich den Romanfiguren noch näher. Durch spezifischef sprachliche Charakterisierung wir eine Schichtung vorgenommen, beispielsweise wird auf diese Art die Sprache der " einfachen Leute", der Arbeiter und Bauern, die in ihrer Heimat beruflich und privat, aber auch gefühlsmässig verwurzelt sind, hervorgehoben. Bewusst lässt die Autorin den Roman abgehackt und aufgesplittelt erscheinen. Diesen sprachlichen und inhaltlichen Bruch erreicht sie nicht nur durch den ständigen Wechsel der Erzählperspektive sondern auch durch die nüchterne Wortwohl und den einfachen Satzbau. Kühler Sprachstil und klare Aussage sorgen für Nachdrücklichkeit und notwendige Sachlichkeit. " jetzt sind wir hier. Was jetzt geschieht, geschieht uns." Gerade diese Sprache lässt den Roman wahrheitsgetreu wirken. Gerade durch diesen unaufdringlichen und unkomplizierten Schreibstil liest sich das Buch einem Sachbuch gleich. Eine Authentizität wird geschaften . Die fiktive Welt des Romans erscheint glaubwürdig, so glaubwürdig, dasss dem Roman in der Rezeptionsgeschichte fälschlicherweise sogar geschichtlicher Quellencharakter zugesprochen wurde.
Der Aufbau
Anna Seghers bedient sich der Romanform für die Erzählungen ihrer Geschichte, sie unterlässt es allerdings eine strenge Chronologie der Ereignisse zu schaffen. Sie benützt eine Montagetechnik mit Hilfe derer sie die 7 Kapitel mit den 44 Unterkapiteln zu einem Gesamtbild formt. Die Handlung läuft entweder parallel oder gegenüberstehend. Eine kurze Einleitung und ein Schlusssatz bilden das formale Gerüst. Oft arbeitet sie Mit Rückblenden, Dialogen und inneren Monologen. Diese vielzählige Unterteilung ermöglichen dem Leser einen tiefen Einblick in das facettenreiche Leben der beteiligten Personen, erschweren gleichzeitig aber auch das Lesen. Für den Leser entsteht zunächst der Eindruck, er sähe während der Lektüre nur zusammenshandlose Stücke. Am Ende steht er jedoch einem literaturischen Gemälde gegenüber. Diese Art des Aufbaus hat noch einen anderen Vorteil, diese Technik erlaubt der Autorin verschiedene Erzählperspektiven anzuwenden. Wir finden die Autorin als auktoriale erzählerin, die aus der Vogelperspektive dem Leser mitteilt, was gleichzeitig an verschiedenen Handlungsorten passiert. Wir hören in Georg Heisler hinein, und lesen den inneren Monolog. In der kollektiven "Wir"-Form, die die Stimme der KZ-Häftlinge ist, wird der Leser in diese unglaubliche Geschichte der Flucht eingeführt, und auch der Schlusssatz: " Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äusseren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Intterstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar." Ist in dieser Form verfasst. Das Wir ist ganz bewusst gewählt, Anna Seghers kann so sich und den Leser in eine Perspektive rücken, die es beiden erleichtert, die Geschichte der Flucht mit den Augen der Verfolgten zu sehen, mitzuleiden und mitzubangen. Die formale Gestaltung des Romans unterstützt die inhaltenlichen Absichten der Autorin. Sie will eine Geschichte erzählen, die spannend, unterhaltsam, glaubwürdig und lehrreich ist. Mit der Montagetechnik und den verschiedenen Erzählperspektiven wird es dem Leser ermöglicht, sich während der Lektüre an verschiedenen Orten, in verschiedenen Menschen und Gedankenwelten einzufinden. Anna Seghers hat mit den 6 Flüchtlingen ein Handlungsmuster gestrickt, welches als Folie für Georg Flucht dient. An diesen Flüchtlingen werden Macht und Grausamkeit des System und die Ohnmacht des einzelnen Plastisch. So erhält der Leser einen detaillierten tiefen Einblick in das Geschehen zur Zeit des Naziregimes.
6. Sinn und Zweck des Romans
Das siebte Kreuz ist ein politischer Roman. Ein grosser Teil des Werkes beschäftigt sich damit, den Nationalsozialismus darzustellen. Doch sie kümmert sich nicht um die Theorie des Regimes, sondern sie beschränkt sich auf die ausführenden Figuren. Sie versucht den Figuren einen Charakter zu geben und sucht nach dem Grund für deren Handeln. Bei manchen Personen sind es Erlebnisse in der Kindheit, die sie zu Gewalttätern machen. Andere wollen sich einfach nur aufspielen. Man sieht auch wie die Offiziere der Naziherrschaft unter Druck gesetzt wurden. Sie zeigt aber auch überzeugend die Stellung des zweigeteilten deutschen Volkes bezüglich des Nationalsozialismus. Auf der einen Seite stehen die Mitmacher. Sie unterstützen die Regierung wo sie nur können und würden ohne zu zögern ihre Nachbarn ans Messer liefern, sollten diese irgend etwas gegen das Regime sagen. Doch auf der anderen Seite sind die Leute, die nicht einverstanden sind mit der Unterdrückung des Volkes. Die Botschaft des Romans ist offensichtlich. Anna Seghers will die Leute, die dem Terror der Nazis nicht länger ausgesetzt sein wollen, zusammenführen. Sie will die Gegenkräfte des Nationalsozialismus vereinen, denn nur so kann man den Hitlerfaschismus aus Deutschland vertreiben. Unterstützt wird diese politische Darstellung von der emotionalen Komponente des Romans. Es treten eine Vielzahl von moralischen Konflikten auf, die meist im Roman selbst beantwortet werden. So wirft sich zum Beispiel, besonders nach der Verhaftung Paul Röders durch die Gestapo, die Frage auf, ob es erlaubt sei, das Leben mehrerer Menschen für das Leben eines einzigen aufs Spiel zu setzen. Neben dem politischen und emotionalen Aspekt wird natürlich auch die Handlung nicht vernachlässigt. Dabei setzt sich Handlung aus Einzelabschnitten zusammen, die parallel verlaufen und mit Rückblenden und inneren Monologen versehen sind. Dies verleiht dem Werk verschiedene Handlungsebenen, die jede für sich eine selbständige Spannung entwickelt.
Personen
Georg Heisler:
Georg Heisler stammt aus einer kinderreichen Arbeiterfamilie. Da er ohne Vater aufwachsen musste lernte er früh familiäre Aufgaben zu übernehmen. Er absolvierte als Jugendlicher eine Lehre als Autoschlosser. Georg wurde jedoch nach der Weltwirtschaftskrise arbeitslos. Er stand bereits früh im Aktiven Widerstand gegen den Nazionalismus. Später lernt er Franz Marnet kennen, mit dem er gleich in eine Wohnung zusammenzieht. Später heiratet er Elli Mettenheimer, verlässt sie aber bald wieder und findet bei Leni trost.
" Wenn ich Wallau in meinem Leben nur in Westhofen treffen könnte, ich würde alles noch einmal auf mich nehmen...Zum ersten-, vielleicht auch zum letzten Mal war in sein junges Leben eine Freundschaft gekommen, wo es nicht darum ging, zu prahlen oder sich klein zu machen, sich festzuklammern oder sich völlig hinzugeben, sondern nur zu zeigen wer man war und dafür geliebt zu werden. ( s.87)
Franz Marnet
Franz ist ein dreissigjähriger Arbeiter und ein überzeugter Kommunist. Er ist mittelgross und von stämmiger Statur. Franz ist immer wieder auf Demonstrationen anzutreffen, da sein Gerechtigkeitssinn sehr ausgeprägt ist. Er kämpft für seine Ideologien, im Bewusstsein dass der gegenwärtige Zustand nicht so bleiben kann, da dieser ungerecht und unvernünftig ist. Elli Mettenheimer war bisher seine grosse Liebe, bis Georg sie ihn weggeschnappt hatte. Versucht am Ende des Romans die Lücke die Elli hinterlassen hat, mit einer Anderen Frau namens Lotte zu füllen
" Franz fragte sich da einen Augenblick, einen einzigen Augenblick, ob dieses einfache Glück nicht alles aufwiege. Ein bisschen gewöhnliches Glück, sofort, statt dieses furchtbare unbarmherzigen Kampfes für das endgültige Glück irgendeiner Menschheit, zu der er, Franz, dann vielleicht nicht mehr gehörte...Gebt dem Hitler, was des Hitlers ist." ( S.253)
Wallau
Wallau ist ein kommunistischer Funktionär und Reichtagsabgeordneter der KPD. Er ist ebenfalls im KZ Westhofen und spielt (vor allem für Georg) die Vaterfigur. Er stellt auch ein politisches sowie auch menschliches Vorbild dar. Sein Charakter ist äusserst stark und konsequent. In den Verhöhren die er über sich ergehen lassen muss, ist er für die Offiziere eine uneinnehmbare Festung.
Paul Röder
Paul Röder war ein Jugendfreund von Georg, der stets an die persönliche Bindung zwischen ihm und Heisler geglaubt hat. Er arbeitet in einer Waffenfabrik und daher auch sehr bodenständig. Im Roman spielt er eine tragende Rolle, vor allem für Georgs Fluchtplan. Er ist derjenige der die entscheidenen Fäden spinnt.
Fiedler
Auch Fiedler gehört wie Franz zum kommunistischen Widerstand. Er ist ein Arbeitskollege von Paul Röder. Pflichtbewusstsein, gewissenhaftigkeit, Hilfsbereitschaft, dass die Qualitäten die dieser Mann besitzt.
Hermann
Hermann ist ein Freund von Franz Marnet. Er ist stets kritisch und vorausschauend. Georg verdankt ihm die Illegalen Papiere für seine Flucht. Die anderen Gefangenen