Proteste an verschiedenen Universitäten
Studenten protestieren an unterschiedlichen Universitäten in Europa. In Deutschland ist die Protestwelle deutlich grösser. Viele Tausende Studenten gingen für ihr Anliegen auf die Strasse.
Auch in Basel und Zürich protestierten einige hundert Studenten. Die meisten Studenten in der Schweiz haben sich den Protesten bis jetzt noch nicht angeschlossen. Es scheint als sei die Zufriedenheit mit der Leistung der Uni in der Schweiz höher als in anderen Ländern in Europa. Letzten Mittwoch besetzten Studenten von der Uni Basel die Aula, auch in Bern besetzten einige wenige Studenten die Universität. Am Dienstag sollen nun mehrere hundert Studenten die Universität in Zürich besetzt haben berichtet der ?Tagesanzeiger.ch?. Was genau die Forderungen der Studenten sind ist unklar. Sie demonstrieren gegen die Bologna-Reformen. Die protestierenden Studenten kritisieren die Verschulung der Unis und kritisieren die Studiengebühren und Präsenzkontrollen. Ausserdem sei das Studium viel zu sehr auf die Wirtschaft ausgerichtet, die Privatwirtschaft habe einen zu grossen Einfluss auf die Forschung. Verbesserungsvorschläge bleiben allerdings aus. Und so fragt man sich, was denn nun herausschauen soll bei den Protesten der Studierenden. In Deutschland ist die Studentenbewegung zur Zeit deutlich grösser. Während in der Schweiz zur Zeit etwa tausend Studenten auf den Beinen sind, sind es in Deutschland mehrere Zehntausend Studierende, die demonstrieren und unter anderem eine Abschaffung der erst vor kurzem eingeführten Studiengebühren fordern. Die Politiker haben bereits erste Zugeständnisse gemacht. So berichtet die deutsche Bildzeitung, dass Niedersachsens Wissenschaftsminister Stratmann ankündigte die Bachelor-Studiengänge zu reformieren. Ausserdem soll der Uni-Wechsel vereinfacht werden, und die Prüfungsdichte verringert werden. Gerade die Möglichkeit die Universität während des Studiums zu wechseln ist eines der Ziele der Bologna-Reform. Geht es nach dem Willen von Stratmann, dann sollen in Zukunft auch mehr achtsemestrige Bachelor-Studiengänge angeboten werden. Diese werden von der Wirtschaft im Allgemeinen sehr gut aufgenommen, nachdem die Skepsis gegenüber Bachelor-Absolventen bei den Unternehmen anfangs deutlich zu spüren war.
Deutschland und die Studentenproteste
Seit mehr als einer Woche halten die Proteste der Studenten in Deutschland nun an. Gemäss einer Meldung von "Bild.de" sollen alleine zu den Demonstrationen am Dienstag 85'000 Studenten gekommen sein. Schwerpunkt der Studentenproteste in Deutschland waren Berlin, München, Freiburg und Köln. Zahlreiche Hörsääle an diversen Universitäten wurden besetzt. Ausserdem wurde eine bundesweite Aktionswoche angekündigt, die am 30. November starten soll. Doch was wollen die Studenten damit überhaupt erreichen? Für was gehen sie auf die Strasse und blockieren Hörsäle? Kritisiert werden vorallem die Studiengebühren. Vor einigen Jahren mussten Studierrende in Deutschland keine Semestergebühr bezahlen. Nun bezahlt man für ein Studium in Deutschland gut 400 Euro im Semester. Für viele Studenten ein grosser Betrag. Zudem sei es aufgrund des gedrängten Stoffprogramms kaum noch möglich einer Nebentätigkeit nachzugehen und so die Studiengebühren finanzieren zu können. Die Universitäten hätten es verpasst den Stoffumfang der reduzierten Semesteranzahl eines Bachelor-Studiums anzupassen. Gegenüber dem Deutschlandfunk räumte auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan von der CDU ein, es sei zu "handwerklichen Fehlern" bei der Einführung der neuen Studiengänge gekommen. Ausserdem versprach sie, dass Bund und Länder gemeinsam für Verbesserungen sorgen werden. Erstaunlicherweise lenkte sie auch bei der Forderung nach einer Bafög-Erhöhung ein. Noch vor zwei Wochen hat sie eine solche kategorisch ausgeschlossen. Nun kommt es zu einer plötzlichen Kehrtwende. Gegenüber der "Berliner Zeitung" erklärte Schavan, sie halte eine Erhöhung der BAfög für richtig und werde dies auch den Ländern sowie dem Bundeskabinett vorschlagen. Die Studenten bewerten dieses Zugeständnis als Teilerfolg, und relativieren sogleich. Gadow, Vorstandsmitglied im Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften e.V erklärte gegenüber der Bildzeitung, die Erhöhung des Bafög sei eine Forderung gewesen, wenngleich eine sehr kleine. Es gehe nun darum von der Politik sowie den Hochschulen grosse Zugeständnisse zu erhalten. Solange werde man für die Forderungen auf die Strasse gehen.
Braucht es wirklich eine Reform?
Erst vor kurzem wurden die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt und sind grundsätzlich ein grosser Erfolg. Die Unterteilung der Prüfungsleistung sowie das Bewertungssystem mit Credits, ermöglichen einen einfacheren Wechsel der Studiengänge und Universitäten. Ausserdem kommt das neue System bei den Unternehmen gut an. Anfangs war es natürlich etwas ungewöhnlich für die Unternehmen Bachelor-Absolventen einzustellen. Mittlerweile haben sich diese Berührungsängste allerdings gerade auch bei KMU's abgebaut. Dies erklärte der Vorsitzende des Arbeitskreises Hochschule und Wirtschaft von Arbeitgeberverbänden, Thomas Sattelberger gegenüber der ?Rheinischen Post?. Sattelberg ist gleichzeitig Personal-Vorstand bei der Deutschen Telekom und damit bestens vertraut mit dem Personalwesen der grossen Firmen. Ausserdem verwies Sattelberger auf eine Studie, welche besagt, dass Bachelor-Absolventen später im Berufsleben im gleichen Masse zufrieden sind wie Beschäftigte mit anderen Hochschulabschlüssen.