Stress, lass nach
Immer mehr Menschen sind der Dauerbeschleunigung in ihrem Alltag physisch und psychisch nicht mehr gewachsen.
Eine vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) durchgeführte Studie zum Stress in der Schweiz schätzt die Kosten für die erwerbstätige Bevölkerung auf rund 4,2 Milliarden Franken. Als Hauptquellen für Stress werden vor allem ungünstige Arbeitsbedingungen - Verdichtung der Arbeit, hohes Tempo, Umstrukturierungen - angegeben. Grosse Teile der Bevölkerung beklagen sich über zu hohes Tempo, fühlen sich dadurch gestresst. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, chronische Kopfschmerzen und Verspannungen im Nacken-Schulter-Bereich gehören zu den häufigsten Beschwerden, die durch Stress verursacht werden. Zudem begünstigt Stress das Auftreten von Herzbeschwerden. Obwohl in der seco-Studie mehr Frauen angaben, sich gestresst zu fühlen, sind Frauen und Männer gleichermassen anfällig auf Stress. " Frauen haben eine feinere Wahrnehmung für Veränderungen in ihrer seelischen Verfassung und sind eher bereit, sich damit auseinander zu setzen ", erklärt Ulrike Zöllner, Dozentin an der Hochschule für angewandte Psychologie Zürich. "Männer hingegen neigen dazu, Probleme auszublenden, weil ihr Funktionieren sonst gestört würde. Sie wollen hauptsächlich funktionieren und ihren Weg ungestört weitergehen ", fügt sie hinzu. Männer als Helden der Hetze, die beschleunigen, bis sie zusammenbrechen ? Doch in der Wirtschaft denkt man bereits um: Die Erkenntnis, dass ein ständig hohes Tempo irgendeinmal jeden zur Strecke bringen kann, setzt sich durch. Auszeiten, kreative Pausen sind nicht länger nur etwas für Warmduscher. Während Sport schon immer eine beliebte Form der Energieerneuerung war, kommen imneuen Jahrtausend vermehrt auch alternative Methoden zum Zug. Meditation, Yoga, Qi Gong, therapeutisches Atmen sind bewährte Methoden, um sich zu entspannen. Letizia Fiorenza ist Atemtherapeutin und arbeitet seit längerem mit Managern, einzeln oder in Gruppen. Sie stellt fest, dass " heute die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Körper auseinander zu setzen viel grösser ist als vor 20 Jahren. Mittlerweile ist es in den Managerköpfen drin, dass man etwas für sich tun muss, bevor man völlig ausgebrannt ist ". Die grösste Herausforderung auf dem Weg zur Entspannung sei für viele oft die ausschliessliche Konzentration auf die eigene Person, die Tatsache zu akzeptieren, nicht mehr gleichzeitig tausend Dinge erledigen zu müssen, ergänzt sie. Das so genannte Multitasking, dessen man sich im Geschäftsalltag so gerne bedient, ist nicht gefragt beim Entspannen. Was zählt, ist das Hier und Jetzt, und nicht das, was in einer Stunde sein wird.
Text: Ruth Hafen
Quelle: Aus dem Bulletin der Credit Suisse