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Vom 12-Kilo-Koffer zum Westentaschen-Büro

Das erste Mobiltelefon der Schweiz wog 12 Kilo und konnte nur eins: telefonieren. Die modernen Handys der dritten Generation dagegen erfüllen dem modernen Manager fast jeden Wunsch.

Exakt 99 Jahre nachdem Graham Bell das Telefon erfunden hatte, läutete die damalige PTT in der Schweiz ein neues Zeitalter ein. Im Jahr 1975, mitten in der Wirtschaftskrise, beschloss der Staatsbetrieb die Einführung eines mobilen Telefonnetzes für Fahrzeuge, das so genannte "Nationale Autotelefonnetz", kurz Natel. Drei Jahre später, im Jahr 1978, wurde das erste Natel-Teilnetz in der Schweiz eingeweiht. Obwohl sich der Name "Natel" in der Schweiz bis heute als Synonym für Mobiltelefon gehalten hat, hatten die damaligen, 12 Kilogramm schweren Funktelefone, die in einem Kof fer transportiert wurden, wenig mit den modernen Handys gemein.

Die Schmalspur wird zum Breitband
Zurzeit schickt sich die Industrie abermals an, ein neues Zeitalter einzuläuten. Die Rede ist von der drit te n Mobilfunkgeneration, den so genannten UMTS-Handys. UMTS steht für Universal Mobile Tele communications Systems. Der neue Stan dard deckt grössere Bandbreiten ab. In Zahlen ausgedrückt: Dank UMTS werden Über tra gungs raten von bis zu 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) möglich. Das ist zwar weniger, als ein Internetsurfer über seine ADSL-Festnetz verbindung herausholen kann (zwischen 600 und 2400 Kbit/s), doch sind die Handys der dritten Generation immer noch rund vierzig Mal so schnell wie diejenigen der zweiten Generation, die auf dem so genannten GSM-Standard aufbauen (Global System for Mobile Communication).

Willkommen auf der mobilen Spielwiese
Die stark verbreiterte mobile Datenautobahn schafft Platz für eine schier unendliche Kombination von Anwendungen. Wer sich in die bunten Auslagen an den aktuellen Telekommessen vertieft, fühlt sich bisweilen wie ein Kind im Spielzeugladen. UMTS-Handys können Videos übertragen, Musik herunterladen und abspielen, Radio- und Fernsehprogramme empfangen, Diktate aufnehmen, Termine verwalten, Tickets reservieren, Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien anzeigen, via Satel litennavigation den genauen Standort angeben etc. Dass die meisten auch digitale Bilder aufnehmen und verschicken können, muss man schon fast nicht mehr erwäh nen, denn das gehört mittlerweile zur Grundausstattung. Ach ja, und natürlich kann man mit den kleinen Geräten auch telefonieren. Es herrscht allenthalben Aufbruchstimmung, jedoch kaum Euphorie. Denn die vor fünf Jahren meist teuer ersteigerten UMTSLizenzen brachten bis jetzt noch nicht die fetten Gewinne, vor allem weil die technologischen Hürden höher waren als angenommen. Und nun, da der Durchbruch bevorsteht, droht bereits Kon kurrenz von einer andern Seite: dem Festnetz. Dank der Wireless-LAN-Technologie (WLAN) kann von immer mehr Orten auf dieser Welt, den so genannten Hotspots, drahtlos ins festnetzbasierte Internet eingestiegen werden. Was im Prinzip für Laptops und Pocket PCs gedacht war, lässt sich auch für Internettelefone benutzen, Telefone also, die mit der so genannten Voice-over-IP-Technologie (VoIP) arbeiten. Diese Technologie verpackt die (analoge) Stimme in (digitale) Datenpakete und ver schickt sie übers Internetprotokoll (IP). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Person am andern Ende ebenfalls ein VoIP-Telefon hat oder nicht. In jedem Fall ist das Telefonieren übers Internet viel günstiger als das Telefonieren übers Mobilnetz. Bereits sind die ersten WLAN-Handys auf dem Markt. Welche Technologie am Schluss auch immer das Rennen macht: Graham Bell hätte bestimmt Freude, wenn er sehen könnte, was aus seiner Erfindung geworden ist.

Text: Andreas Thomann
Quelle: Aus dem Bulletin der Credit Suisse


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